Wer zum ersten Mal in ein Contemporary-Training kommt und eine ausgearbeitete Choreografie erwartet, wird in den ersten Stunden überrascht sein. Wir beginnen nicht mit Schrittfolgen, sondern mit Atem. Eine Viertelstunde liegt jeder auf dem Boden, spürt die Wirbelsäule und versteht, wo sich Gewicht gerade sammelt und wo es sich löst. Das klingt meditativ, aber es ist die eigentliche Grundlage für jede Bewegung, die später im Raum passieren wird.
Body-Work und Release-Technik sind deshalb so zentral, weil sie das Verhältnis zwischen Spannung und Loslassen prägen. Zeitgenössischer Tanz lebt von einem tiefen Zentrum und einem extrem beweglichen Rand – der Arm folgt einem Impuls aus dem Becken, nicht aus der Schulter. Wer das einmal körperlich verstanden hat, tanzt danach jede Choreografie mit einem völlig anderen Körpergefühl. Die Figuren sind dann nicht mehr etwas Aufgesetztes, sondern wirken aus dem Inneren heraus logisch.
Deshalb arbeiten wir in Intensivblöcken und nicht in wöchentlichen Einzelstunden. Zwei Stunden am Dienstagabend machen Freude, aber sie reichen nicht, um neue Bewegungsmuster tief im Körper zu verankern. Sechs aufeinanderfolgende Tage mit jeweils fünf bis sechs Stunden Training verändern die Art und Weise, wie du dich bewegst, dauerhaft. Nach so einer Woche merken viele Teilnehmende zum ersten Mal, dass sie sich im Raum anders positionieren als vorher.
Wer noch unsicher ist, ob das Format passt, sollte mit einem Tagespass anfangen. Ein einzelner Tag im Block stellt alles vor, was eine ganze Woche ausmacht – Aufwärmarbeit am Morgen, Werkstatt am Nachmittag und eine improvisierte Session am Abend. Danach weiß man in der Regel sehr genau, ob man weitermachen will. Und wer einmal einen vollen Intensivblock durchlaufen hat, kommt meistens von selbst wieder, weil sich der eigene Körper nach dieser Arbeit schlecht wieder vergessen lässt.
Magazin aus dem Studio
Contemporary Dance: Warum Körperarbeit wichtiger ist als die Choreografie
LesetiEin Blick hinter die Kulissen unseres Studios – geschrieben von unseren Trainern und Teilnehmern in Hamburg.
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